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Beachten Sie bitte unsere Vorträge im theatermuseum und hören Sie in der Stadtbibliothek: Erfahren, woher wir kommen

Wiederbegegnung mit Grundschriften der europäischen Kultur

Die biblischen Mythen, so wie sie uns im Alten Testament überliefert sind, bilden mit denen der griechischen Antike die wichtigste Grundlage unserer literarischen Kultur, ja der kulturellen Überlieferung überhaupt. Doch läßt sich nicht übersehen, daß das Erbe der Antike an Bedeutung verloren hat. Der oft beschworene Bildungskanon existiert nicht mehr; mit ihm ging auch seine Grundlage, die Kenntnis der antiken, speziell der biblischen Welt, ihrer religiösen und sozialen Ordnung, ihrer Sprache und Mythen, weitgehend verloren. Kaum noch kann vorausgesetzt werden, daß ein Schulabsolvent weiß, wer Abraham und Isaak, Jakob und Joseph gewesen sind oder auch, innerhalb der griechischen Mythologie, was es mit Gestalten wie Kronos, Pelops, Dädalos, Laokoon oder Klytämnestra auf sich hat.

Auf den ersten Blick mag solche Unwissenheit bedeutungslos und kein Grund zur Klage sein, zumal die Gestalten der Mythologie nach dem Untergang der antiken Welt noch lange für Phantasieprodukte gehalten wurden. Daß in ihnen eine "tiefere Bedeutung" zu finden sei, ist zumindest den Künstlern immer bewußt gewesen. Durch die Mythen erhalten wir den wichtigsten Zugang zu Geschichte und Religion des frühen Europa, und sie enthalten darüber hinaus ein Grundwissen über den Menschen und seine Einbindung in kosmische, religiöse und soziale Zusammenhänge. Was kann dieses Grundwissen uns bedeuten? Uns scheint ja die Frage näher zu liegen: Wie viel Zukunft haben wir? Wohin führt der Weg des Menschen und der Menschheit? Darauf weiß niemand Antwort. Doch wer eine Antwort zu finden versuchte, wäre gut beraten, nicht nur nach vorn, in die Zukunft zu blicken, sondern sich umzuwenden und das Vergangene zu überschauen.

Was ist der Sinn des Unternehmens? Es der Versuch zu erfahren, woher wir kommen. Ein Versuch der Selbstvergewisserung und Selbstbegegnung im Spiegel "gültiger" Texte. Nicht zuletzt geht es um eine Wiederbegegnung mit Texten, die jede Generation sich neu erschließen muß, damit sie nicht verweht werden von dem Fortschritt, den Walter Benjamin als den Sturm beschrieben hat, der "vom Paradiese herweht". Die Bedeutung dieser Schriften ist auch belegt durch die enorme Rolle, die sie über Jahrhunderte und sogar Jahrtausende hinweg in der Kulturgeschichte gespielt, in einer unerschöpflichen Wirkungsgeschichte in Musik, Literatur, Theater und Bildender Kunst. Natürlich wird man in der Auswahl der "Grundschriften" manchen großen Text und Namen vermissen. Jede Auswahl stößt an ihre Grenzen und wird sich gegen den Vorwurf zu verteidigen haben, daß Unentbehrliches fehlt.

Hanjo Kesting, der langjährige Leiter der Abteilung Kulturelles Wort im NDR, hat das Programm konzipiert. Er lädt die Besucher zur Wiederbegegnung mit den "Grundschriften" ein und führt sie kommentierend durch die einzelnen Texte. Doch sollen diese auch für sich selbst sprechen, zum Leben erweckt von namhaften Schauspielerinnen und Schauspielern.